Škoda Elroq 85x Sportline MY2027 – gekauft, bezahlt, aber nicht fahrbereit

Škoda Elroq 85x Sportline MY2027 – gekauft, bezahlt, aber nicht fahrbereit

Seit ungefähr einem halben Jahr beschäftige ich mich intensiv mit dem Kauf eines neuen Elektroautos.

Aktuell fahre ich noch einen mittlerweile zwölf Jahre alten Peugeot 2008. Mein Wunsch für den Nachfolger war eigentlich recht überschaubar: ungefähr die gleiche Fahrzeuggröße, vollelektrisch und eine vernünftige Reichweite von rund 500 Kilometern.

Nach einiger Recherche blieben schließlich drei Fahrzeuge in der engeren Auswahl:

  • BYD Atto 3 EVO
  • Kia EV3
  • Škoda Elroq

Ich habe mich wirklich ausführlich mit allen drei Fahrzeugen beschäftigt, Testberichte gelesen, Ausstattungen verglichen, Videos angesehen und technische Daten studiert.

Am Ende fiel meine Entscheidung auf den Škoda Elroq.

Ein Grund dafür war tatsächlich auch der Gedanke, bewusst ein europäisches Fahrzeug beziehungsweise eine europäische Marke zu kaufen.

Die Suche nach einem Elroq Modelljahr 2027

Wer sich aktuell für einen neuen Elroq interessiert, kennt vermutlich das Problem: Die Lieferzeiten liegen teilweise bei sechs bis sieben Monaten.

So lange wollte ich eigentlich nicht warten.

Also begann ich, bei Händlern im Umkreis von ungefähr 100 bis 150 Kilometern nach bereits verfügbaren Fahrzeugen zu suchen – Vorführwagen, Schauraumfahrzeuge oder kurzfristig verfügbare Lagerfahrzeuge.

Dabei war mir wichtig, bereits ein Fahrzeug des Modelljahres 2027 zu bekommen.

Vor ungefähr einem Monat wurde ich schließlich fündig.

Ein Händler, etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit von mir entfernt, hatte einen Škoda Elroq 85x Sportline Modelljahr 2027 im Schauraum stehen.

Nach einigen Telefonaten waren wir uns einig und ich kaufte das Fahrzeug.

Die Vereinbarung war einfach: Sobald der Händler ein Ersatzfahrzeug für seinen Schauraum bekommt, kann ich meinen Elroq abholen.

Soweit lief alles perfekt.

Modelljahr 2027 – und die erste Überraschung

Noch bevor das eigentliche Abenteuer mit der Fahrzeugübergabe begann, gab es allerdings bereits die erste kleine Überraschung.

Obwohl mein Elroq ausdrücklich ein Modelljahr 2027 ist, fiel mir bei der Ausstattung relativ schnell auf, dass die 220-V-Steckdose im Kofferraum fehlt.

Das ist insofern bemerkenswert, weil genau dieses Feature im Zusammenhang mit dem neuen Modelljahr beworben wurde.

Oder anders gesagt:

Man bewirbt das neue Modelljahr mit einer zusätzlichen 220-V-Steckdose – und wenn der Kunde das Fahrzeug dann tatsächlich kauft, lässt man sie offenbar einfach weg.

Und bevor jemand fragt: Ja, mein Elroq hat das Advanced-Paket, bei dem diese Ausstattung eigentlich enthalten sein sollte.

Ganz überraschend kam das Ganze allerdings nicht. Škoda hat diesen Umstand sogar ganz offiziell im Kaufvertrag dokumentiert:

„Entfall 220-V-Steckdose“

Das muss man sich eigentlich auf der Zunge zergehen lassen.

Ein Ausstattungsmerkmal wird beworben, ist Bestandteil des von mir gewählten Ausstattungspakets und wird dann bei einem knapp 60.000 Euro teuren Fahrzeug einfach wieder gestrichen.

Zumindest war Škoda an dieser Stelle konsequent genug, den Entfall gleich im Kaufvertrag festzuhalten.

Dass das bei mir schon vor der eigentlichen Fahrzeugübernahme für ein erstes Stirnrunzeln gesorgt hat, dürfte wenig überraschen.

Im Nachhinein betrachtet war die fehlende Steckdose allerdings noch mein kleinstes Problem.

Der große Tag der Abholung

Etwa eine Woche nach dem Kauf kam der erfreuliche Anruf:

„Nächsten Freitag können Sie Ihr Auto abholen.“

Sehr schön.

Also machte ich mich am Freitag mit meinem alten Peugeot auf die rund eineinhalbstündige Fahrt zum Händler.

Dort angekommen bekam ich erst einmal einen Kaffee, weil sich der Elroq noch in der Aufbereitung befand.

Alles entspannt.

Ich saß also da, trank meinen Kaffee und freute mich darauf, wenig später mit meinem neuen Elektroauto nach Hause zu fahren.

Und dann begann der Spaß.

Beim ungefähr letzten Schluck Kaffee kam mein Verkäufer mit einem Gesichtsausdruck auf mich zu, bei dem eigentlich schon klar war, dass jetzt keine besonders gute Nachricht kommen würde.

Nach einem OTA- beziehungsweise Software-Update war der Elroq plötzlich nicht mehr betriebsbereit.

Kurz gesagt:

Keines der Displays zeigte mehr etwas an.

Sehr praktisch bei einem modernen Auto, bei dem praktisch sämtliche relevanten Fahrinformationen über Displays dargestellt werden.

Und da es sich ohne Geschwindigkeitsanzeige und funktionierende Instrumentierung bekanntlich eher schlecht fährt, endete meine erste geplante Fahrzeugübernahme damit, dass ich wieder in meinen zwölf Jahre alten Peugeot stieg und die eineinhalb Stunden nach Hause fuhr.

Drei Stunden Autofahrt.

Neuer Elroq: weiterhin beim Händler.

Kann passieren – dachte ich zumindest

Meine erste Reaktion war tatsächlich noch relativ entspannt.

Softwarefehler können passieren.

Moderne Fahrzeuge sind mittlerweile Computer auf Rädern und wenn bei einem Update einmal etwas schiefgeht, ist das zwar ärgerlich, aber grundsätzlich verständlich.

Ich ging außerdem davon aus, dass ein komplett nicht fahrbereites Neufahrzeug, das bereits verkauft und bezahlt wurde, bei Škoda vermutlich eine entsprechend hohe Priorität bekommt.

Nun ja.

Freitagvormittag war für die zuständigen Škoda-Troubleshooter offenbar bereits nicht mehr allzu viel zu erreichen.

Also hieß es zunächst einmal warten.

Am darauffolgenden Dienstag bekam ich schließlich einen Anruf vom Händler.

Angeblich wurde ein weiteres Firmware-Update beziehungsweise eine neue Softwareversion von Škoda eingespielt.

Was genau das ursprüngliche Problem verursacht hatte?

Keine Ahnung.

Eine technische Erklärung?

Keine.

Eine Information von Škoda?

Keine.

Eine Entschuldigung?

Ebenfalls keine.

Aber zumindest funktionierten die Displays wieder.

Also vereinbarten wir einen neuen Übergabetermin für den darauffolgenden Donnerstag.

Fairerweise muss ich an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen, dass sich mein Händler wirklich bemüht hat.

Nachdem ich bereits einmal drei Stunden für eine erfolglose Fahrzeugübernahme unterwegs gewesen war, bot man mir an, den Elroq diesmal direkt zu mir zu überstellen.

Perfekt.

Dachte ich.

Versuch Nummer zwei

Dann kam Donnerstag.

Und wieder klingelte mein Telefon.

Der Händler.

Diesmal ging es allerdings nicht mehr um die Displays.

Jetzt war die Antriebseinheit des Elroq auf Störung gegangen.

Das Fahrzeug bewegte sich laut Händler keinen Millimeter mehr.

Mein nagelneuer Elroq 85x Sportline war also erneut komplett fahrunfähig.

Und genau:

Man wartet wieder auf eine Reaktion beziehungsweise Lösung von Škoda.

Offenbar scheint auch ein zweiter Totalausfall innerhalb weniger Tage nicht automatisch dazu zu führen, dass irgendwo bei Škoda sämtliche Alarmglocken schrillen.

Knapp 60.000 Euro und trotzdem einfach warten?

Und an diesem Punkt beginnt mein Verständnis langsam zu verschwinden.

Wir reden hier schließlich nicht von einem zehn Jahre alten Gebrauchtwagen für 5.000 Euro.

Wir reden von einem aktuellen Elektroauto mit einem Listenpreis in Richtung 60.000 Euro.

Ein Fahrzeug, das verkauft wurde.

Ein Fahrzeug, das bezahlt wurde.

Und ein Fahrzeug, das ich bis heute nicht benutzen kann.

Natürlich kann Technik kaputtgehen.

Natürlich können bei neuen Softwareständen Fehler auftreten.

Und natürlich kann auch einmal ein Steuergerät oder eine Antriebskomponente ausfallen.

Die entscheidende Frage ist für mich allerdings nicht, ob ein Fehler auftreten kann, sondern wie ein Hersteller anschließend damit umgeht.

Wenn ein praktisch neues beziehungsweise noch nicht einmal an den Kunden übergebenes Fahrzeug zweimal innerhalb weniger Tage komplett fahrunfähig ist, würde ich erwarten, dass der Hersteller den Fall entsprechend priorisiert.

Genau dieses Gefühl habe ich momentan leider nicht.

Warum kaufen immer mehr Menschen chinesische oder koreanische Autos?

Sollte zufällig jemand Verantwortlicher von Škoda diese Zeilen lesen:

Vielleicht sollte man sich nicht nur fragen, warum Marken wie BYD, Kia, Hyundai und andere asiatische Hersteller in Europa immer beliebter werden.

Vielleicht sollte man sich auch einmal ansehen, welche Erfahrungen Kunden mit den etablierten europäischen Herstellern machen.

Ich habe mich ganz bewusst für Škoda entschieden.

Unter anderem auch deshalb, weil ich einem europäischen Hersteller den Vorzug geben wollte.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen frage ich mich mittlerweile ernsthaft, ob diese Entscheidung richtig war.

Denn als Kunde möchte ich bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse nicht das Gefühl haben, lediglich eine Ticketnummer in irgendeinem Supportsystem zu sein.

Vor allem möchte ich nach dem Kauf eines Autos eines tun können:

damit fahren.

Das sollte eigentlich keine übertriebene Erwartung sein.

Mein Fazit – vorerst

Aktuell steht mein neuer Škoda Elroq 85x Sportline Modelljahr 2027 weiterhin beim Händler.

Der erste Übergabeversuch scheiterte an einem Softwareproblem, nach dem sämtliche Displays ausgefallen waren.

Der zweite Versuch scheiterte wenige Tage später an einer Störung der Antriebseinheit.

Und davor durfte ich bereits feststellen, dass ein beworbenes Ausstattungsmerkmal meines Modelljahres – die 220-V-Steckdose – bei meinem Fahrzeug schlicht entfallen ist.

Ich hingegen fahre weiterhin meinen zwölf Jahre alten Peugeot 2008.

Der hat zwar keine OTA-Updates.

Keine riesigen Displays.

Und deutlich weniger Software.

Dafür macht er etwas ziemlich zuverlässig:

Er fährt.

Mal sehen, wie dieses Abenteuer weitergeht.

Momentan bin ich jedenfalls nicht mehr weit davon entfernt, den Elroq gedanklich in den Wind zu schießen und mir doch einen BYD anzusehen.

Und ja:

Auch von einem Kaufvertrag kann man unter bestimmten Voraussetzungen wieder zurücktreten. 😉

Over and out.

Mario – der eigentlich längst Elroq fahren wollte