Online-Schulungsprogramm für Angehörige von Menschen mit Demenz

Die Initiative „Demenz und ich“ hat ein kostenloses Online-Schulungsprogramm für Angehörige von Menschen mit Demenz erstellt. Darüber hinaus wurde auch ein Handbuch ergänzend zum Schulungsprogramm kostenlos bereitgestellt. Angehörige sollen durch die Bereitstellung der orts- und zeitunabhängigen Informationen noch besser unterstützt werden.

Das Online-Schulungsprogramm, das Handbuch und weiter Informationen finden Sie unter: https://www.minimed.at/gesundheitsfenster/demenz/angebot/

 

 

Vorausschauende Gespräche führen…

Vorausschauende Gespräche über das Lebensende, die eigenen Wünsche und Gestaltungsvorstellungen zu führen gestaltet sich meist schwierig. Durch das Kartenspiel <<Richtig Wichtig>> können vorausschauende Gespräche initiiert werden, es dient als Hilfsmittel und als Gesprächsbasis. Das Kartenspiel wurde von der Liechtensteinischen Alten- und Krankenhilfe entwickelt, welche für dieses Projekt am St. Gallener Demenzkongress 2019 als bestes Praxisprojekt ausgezeichnet wurde.

Gespräche über das Lebensende zu führen ist das Ziel dieses Kartenspiels. Die Karten sind mit Texten zur Gestaltung sowie zur Planung des Lebensendes verstehen und werden Kategorien wie „sehr wichtig“ oder „weniger wichtig“ zugeordnet. Auf dieser Basis können spielend leicht Gespräche zwischen Personen jeden Alters initiiert werden sowie Gedanken über die eigenen Wünsche und den eigenen Lebensweg angeregt werden.

Weiter Informationen zum Kartenspiel <<Richtig Wichtig>> finden Sie unter:

https://www.lak.li/pflegen-und-betreuen/richtig-wichtig/

 

 

Demenzkonferenz: „Zeitgerechte Diagnose wichtig“

Vorträge und Workshops beleuchteten von 5. bis 7. November an der Donau-Universität Krems das Thema Demenz von verschiedenen Seiten

(18.11.19): Die Volkskrankheit Demenz wird durch die demographischen Veränderungen weiter zunehmen, werden doch 2050 bereits 57 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt sein. Der Hauptredner des ersten Konferenztages, Professor Barry Reisberg, erklärte bei der Eröffnung: „Menschen, die mit subjektiven Gedächtnisbeschwerden zum Arzt kommen, sollen ernst genommen werden. Wir müssen dringend über Strategien nachdenken, die den Beginn einer Demenz hinauszögern und Personen motivieren, sich frühzeitig zu melden.“

Am 5. November 2019 wurde die erste Kremser Demenzkonferenz an der Donau-Universität Krems von Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien, Univ.-Prof. Dr. Viktoria Weber, Vizerektorin für Forschung, und Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin, Leiter des Departments für klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin, eröffnet. Zudem begrüßten Marc Wortman, vormals Geschäftsführer von Alzheimer’s Disease International (ADI) als Mit-Organisator der Konferenz, sowie Frau Mag. Christiane Teschl-Hofmeister, Ländesrätin der niederösterreichischen Landesregierung, die TeilnehmerInnen und Vortragenden.

In der Willkommensrede sprach Prof. Dr. Peter Dal Bianco, Facharzt für Neurologie & Psychiatrie und amtierender Präsident der „Österreichischen Alzheimer Gesellschaft“ (ÖAG), über Präventivmaßnahmen und Lebensstilveränderungen. Eine flächendeckende Anwendung von Präventionsmaßnahmen könnte die Zahl der Betroffenen signifikant reduzieren. Laut dem Experten würde ein positiver Lebensstil mit Bewegung, gesunder Ernährung, intellektueller Beschäftigung und sozialen Kontakten eine protektive Maßnahme gegen Demenz darstellen.

Univ.-Prof. Dr. Barry Reisberg, MD, Psychiater und Professor an der New York Universität, sprach in seiner Rede über die ersten Phasen der Alzheimer Krankheit. Nach seinem Stadienkonzept verläuft die Krankheit in sieben Stadien. Seine Untersuchungen zeigen, dass die ersten drei Stadien ca. 22 Jahre dauern. Im ersten Stadium zeigen die untersuchten Personen noch keine kognitiven Einschränkungen. Im zweiten Stadium, das durchschnittlich 15 Jahre dauert, leiden die Personen unter subjektiv berichteten Veränderungen der Gedächtnisleistungen, die in heutigen Leistungstest kaum auffällig werden, so der Demenzexperte. Die Personen vergessen Namen oder verlegen Alltagsgegenstände. In diesem Stadium ist ein normales Leben noch gut möglich und Personen sind weder im sozialen Umfeld noch in Arbeitssituationen eingeschränkt. Das dritte Stadium kennzeichnet eine „leichte kognitive Einschränkung“. Diese dauere durchschnittlich sieben Jahre und zeichne sich durch eine Verschlechterung der Leistung bei der Arbeit und im sozialen Umfeld aus. Personen vergessen Namen und leiden unter Lücken im Langzeitgedächtnis, so Reisberg. Es sei dringend nötig, Präventionsstrategien zur Verhinderung einer Demenz breit auszurollen. Aus diesem Grund ist eine frühe Erkennung der Krankheit von größter Bedeutung.

Bewusstseinsbildung, Ausbildung und AAL-Technologien

Am zweiten Tag beleuchteten internationale ExpertInnen in Vorträgen und Worshops die Themen Bewusstseinsbildung, Sensibilisierung, Ausbildung, AAL-Technologien und Risikofaktoren. Unter anderem referierte Dr. Bruno Dubois, Professor für Neurologie am Universitätskrankenhaus Salpêtrière, Sorbonne Universität in Paris, über die rechtzeitige Erkennung von Alzheimer und Univ.-Prof. Dr. Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes in Saarbrücken sprach über Ernährungsformen zur Demenzbehandlung. Klar wurde in seinem Vortrag vor allem, dass eine Ernährungsumstellung keine schnellen Ergebnisse liefere – Effekte brauchen ihre Zeit.

Helga Rohra, die seit Jahren schon mit einer Demenz lebt, hat in ihrer Rede dringend dazu aufgefordert, Betroffene selbst stets in die Entwicklung von Betreuungskonzepten einzubeziehen. Denn nur Personen, die diese Krankheit durchleben, wüssten, was für sie gut ist.

Doc. MUDr. Iva Holmerová, PhD, von der Karls-Universität Prag, erklärte in ihrem Vortrag, wie wichtig es sei, Pflegeeinrichtungen inhaltlich weiterzuentwickeln. In Zukunft würde man mehr institutionelle Begleitung, Tagesambulanzen und Einrichtungen für Rehabilitation benötigen. Neue Strategien und Konzepte zur Ausbildung der Pflegeteams seien dringend nötig, so die Demenzexpertin.

Zusammenarbeit zwischen ost-und westeuropäischen Ländern fördern

Der Vormittag des dritten Tages widmete sich der Frage, wie man die Zusammenarbeit zwischen ost- und westeuropäischen Ländern unterstützen kann. Internationale ExpertInnen diskutierten dabei über neue Kooperationen und Forschungsprojekte, welche den Austausch zwischen den Ländern vertiefen.

Debby Gerritsen, PhD, Professorin an der Radboud Universität in den Niederlanden, thematisierte in ihrer Keynote Konzepte zur gesellschaftlichen Stärkung und Ermutigung von Menschen mit Demenz. Das Wohlbefinden von Personen hänge von adäquaten Begleitungskonzepten und Therapien sowie einem gut ausgebildeten Umfeld ab. Gerritsen wies in ihrem Vortrag darauf hin, wie wichtig es sei, dass man Menschen, die mit einer Demenz leben, entsprechend ihren Fähigkeiten eine Wahl von Möglichkeiten ließe. Zusätzlich sollte man die Identität der Person unterstützen, soziale Interaktion fördern und Betroffenen eine Aufgabe geben, bei der sie sich nützlich fühlen.

Vernetzung von Informationen herstellen

„Ich freue mich sehr, dass die Veranstaltung einen so großen Anklang gefunden hat. Unser Ziel ist es, eine Plattform für Betroffene und ihre Familien, WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen zur Verfügung zu stellen, auf der wir gemeinsam nach guten Zukunftslösungen suchen können. Ich glaube, der Anfang ist uns gelungen“, so die Organisatorin des Kongresses Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer. Eine zweite Kremser Demenzkonferenz ist bereits für nächstes Jahr geplant.

 

Bilder

v.l.n.r.: Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer, Leiterin des Zentrums für Demenzstudien an der Donau-Universität Krems, Mag. Christiane Teschl-Hofmeister, Ländesrätin der niederösterreichischen Landesregierung, Univ.-Prof. Dr. Viktoria Weber, Vizerektorin für Forschung an der Donau-Universität Krems, Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin, Leiter des Departments für klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin an der Donau-Universität Krems.

(Foto: Donau-Universität Krems, Wolfgang Simlinger)

Abdruck von Bildmaterial honorarfrei für Pressezwecke unter Angabe der Fotocredits.

 

Rückfragen

Univ.-Prof. Dr. Stefanie Auer
Department für Klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin

Leiterin des Zentrums für Demenzstudien

Donau-Universität Krems

Tel. +43 (0)2732 893-2802 oder 06132 21410

stefanie.auer@donau-uni.ac.at

www.donau-uni.ac.at/demenzstudien

Tiroler Demenzsymposium am 23.01.2020 in Innsbruck

Tiroler Demenzsymposium

Wann:            23.01.2020 von 09:00 bis 17:00 Uhr

Wo:               Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe der Tirol Kliniken GmbH, Innrain 98, 6020 Innsbruck

Inhalt:                       Vorträge, 10 Panels und Pitch Session, Keynote zur Eröffnung von Dr.in Katrin Seeher, Dipl.-Psych., PhD (WHO): Die globale Demenzstrategie der WHO: Ziele, Maßnahmen und Fortschritte.

Teilnahme:   Anmeldung bis 06. Jänner 2020 unter reservierung.tirol-kliniken.at; Teilnahme kostenlos

Das interprofessionelles Symposium für Mediziner*innen, Gesundheits- und Sozialberufe sowie beruflich Engagierte steht ganz im Zeichen von Expert*innenwissen, Vernetzung, Austausch und dem Aufzeigen der vielfältigen innovativen Angebote und Projekte sowie dem hohen Engagement derjenigen, die Menschen mit Demenz begleiten, betreuen, pflegen und behandeln.

Der Vormittag fokussiert hierbei auf die gesundheits- und sozialpolitischen Dimensionen sowie auf medizinisch-wissenschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der Demenz. Am Nachmittag finden parallel 10 Panels in Form von Impulsvorträge, Workshops oder Expert*innengespräche von der State-of-the-Art Diagnostik über rechtliche und ethische Aspekte bis zur demenzfreundlichen Umgebungsgestaltung. Viele Informationen sehr kompakt erhalten Sie in der Pitch Session 7 x 15 Minuten Good Practice.

Nähere Details entnehmen Sie beigefügtem Programm bzw. Kurzprogramm.

Auskunft zum Symposium und Programm erhalten Sie unter +43 50 504-28635 oder unter pflegemanagement@tirol-kliniken.at.

 

Mobilität für Menschen mit Demenz fördern

Ein Vertreter der ÖBB teilte bei der Tagung der österreichischen Demenzstrategie mit, dass das Reisebüro der ÖBB Menschen mit Einschränkungen bei der Organisation sowie der Reise selbst (z. B. beim Umsteigen zwischen Zügen oder beim Finden eines Bahnsteiges) hilft. Der Unterstützungsbedarf muss dafür im Reisebüro (vor Ort oder telefonisch) bekannt gegeben werden.

An den normalen Fahrkartenautomaten gibt es rechts unten Telefonnummern, mit denen man bei der Servicestelle anrufen kann – dort kann per Fernwartung ein Ticket ausgestellt und an den Automaten geschickt werden, es muss dann nur noch am Automaten bezahlt werden.

 

Menschen mit Demenz zu Wort kommen lassen

Gerade auch auf wissenschaftlicher Ebene wird versucht Menschen mit Demenz zu Wort kommen zu lassen, ihre Bedürfnisse, Barrieren etc. zu erfahren und an Entwicklungsprozessen teilhaben zu lassen. Auf der Tagung der österreichischen Demenzstrategie haben sich Personen mit der Diagnose „Demenz“ auf das Podium gestellt und interessante Einblicke in ihr Leben gegeben. Hier ein paar kurze Auszüge:

Was sagen Menschen mit Vergesslichkeit? Zitate von der Tagung der öst. Demenzstrategie:

„Wir müssen nicht auf alles verzichten, wir brauchen nur passende Lösungen.“ Angela Pototschnigg, die u.a. als Lösung fand, dass sie auf ihre Enkelkinder gut aufpassen kann, wenn ihre Freundin
zur Unterstützung dabei ist.

 

„Ich kann noch viel, aber mit Unterstützung kann ich noch mehr.“
Hr. Andreas, der gerne spontan mit Gleichgesinnten etwas unternehmen will und gerne Ärzte hätte, die sich auch  „auf Krankenschein“ sorgfältig um ihn kümmern.

 

„Am liebsten würde ich jetzt mit euch allen malen.“ Hr. Süß, der für sich im Malen und im Wandern wichtige und wertvolle Aktivitäten gefunden hat.

 

 

1. Kremser Demenz Konferenz “Demenz rechtzeitig erkennen“

Demenz kann Betroffene und Angehörige schwer belasten – doch eine zeitgerechte Diagnose kann helfen, Menschen mit Demenz die benötigte Unterstützung und Behandlung zu geben.

Bewusstseinsbildung und verstärkte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländern sind nötig, um optimale Bedingungen für eine zeitgerechte Diagnose zu schaffen. Welchen Beitrag dabei WissenschafterInnen, Mitglieder verschiedener Gesundheitsberufe, Interessensverbände und Selbsthilfegruppen sowie Betroffene und Angehörige leisten können, diskutieren wir auf der:

1. Kremser Demenz Konferenz “Demenz rechtzeitig erkennen“
05. – 07. November 2019
Donau-Universität Krems
Konferenzsprache Englisch. Simultane Übersetzung.

Internationale TeilnehmerInnen unterschiedlicher Professionen und Disziplinen bieten Einblicke in Aktivitäten west-und osteuropäischer Länder, um Grundlagen für länderübergreifende Kooperationen zu schaffen. Ziel ist es, Lösungsansätze, Best Practice Modelle sowie Ergebnisse und Ideen aus Forschung und Praxis vorzustellen und zu diskutieren.

Seien Sie dabei: als Vortragende/r, FragenstellerIn, mit einem Info-Stand oder einfach „nur“ als ZuhörerIn.

Themen (Beispiele):

Was bedeutet zeitgerechte Erkennung von Demenz?
Prä- und postdiagnostische Beratung
Demenz & Ernährung- neueste Erkenntnisse
Konzepte für die Langzeitpflege
Bewusstseinsbildung in den verschiedenen west-und osteuropäischen Ländern
Psychologische Folgen von Pflege
Zusammenarbeit zwischen Alzheimergesellschaften und Wissenschaft

Eingeladene Vortragende (Key Note Vortragende)
Barry Reisberg (NYU Medical Centre)
Bruno Dubois (Salpetiere, Paris)
Iva Holmerova (Charles University, Prag; Alzheimer Europe)
Tobias Hartmann (Universität des Saarlandes)

Workshops (wird laufend ergänzt)

Primar Dr. Christian Bancher (Horn): Differentialdiagnose der Demenz im klinischen Alltag (Workshop für PraktikerInnen auf Deutsch)

Primar Karl Matz (Donau-Universität Krems): Multidomain risk factors for vascular dementia

Marc Wortmann (Marc Wortmann Consultancy): Bewusstseinsbildung im internationalen Kontext

Weitere Informationen:
https://www.donau-uni.ac.at/dementia-conference

Registrierung:
https://en.xing-events.com/BYHICAO.html