Tomy Racing Cockpit

Tomy Racing Cockpit

Vermutlich aus dem Jahr 1983/84 stammt das Turbo Racing Cockpit des Spielzeugherstellers TOMY. Das Turbo Racing Cockpit ist eine Art Autosimulator mit einem Bildschirm, auf dem die Strecke animiert dargestellt wird. Das Racing Cockpit ist der Form eines Porsche nachempfunden. Es hat ein Lenkrad, mit dem ein kleines, hinter der Matscheibe befindliches Autosymbol hin und her bewegt wird. Im Cockpit gibt es als Bedienelemente einen Ganghebel mit dem die Geschwindigkeit in vier Stufen eingestellt wird, einen Zündschlüssel der den Simulator einschaltet und einen kleinen Drucktaster, der einen mechanischen Streckenzähler zurücksetzt.

Anzeigen im Cockpit

Als Anzeigen sind im Cockpit ein „digitaler Tacho“, ein „Drehzahlmesser“ und eine Tankfüllstandanzeige verbaut. Ich habe die Beschreibung der Instrumente absichtlich in Hochkommas gesetzt, da das Wort „Digital“ hier bedeutet, dass die Anzeigen rein mechanisch realisiert sind. Die Geschwindigkeitsanzeige ist beispielsweise eine, in Form einer Sieben-Segment-Anzeige gelochte Kunststofffläche, hinter der passend eine farbige Platte verschoben wird. Das Verschieben wird über einen Hebelmechanismus durch den Gangwahlhebel realisiert. So wird in jeder Geschwindigkeitsstufe eine passende Segmentanordnung hinter die Lochmaske bewegt. Die Drehzahldarstellung wird ebenso realisiert.

Das Autosymbol (die Spielfigur des Simulators)

Auch die Lenkbewegungen des Lenkrades werden über ein mechanisches Gestänge auf das kleine Autosymbol übertragen. Dieses kleine Auto ist die Spielfigur hinter der Mattscheibe und soll auf der Straße gehalten werden und nicht mit Hindernissen kollidieren. Straße? Hindernisse? – Ja die gibt es auch. Die Fahrbahn wird aber nicht, wie man es heute von Computer- und Konsolenspielen oder Arcade Automaten gewohnt ist, elektronisch generiert, sondern rein mechanisch durch eine Licht Projektion auf die Mattscheibe. Realisiert hat man das mit einer Trommel auf der, auf einer transparenten Folie die Straße gezeichnet ist. Die Trommel wird mit einem Elektromotor angetrieben. Um das Bild der Folie auf den Bildschirm zu bringen, ist innen in der Trommel, auf ihrer Achse eine kleine Glühlampe moniert. Das Licht dieses Glühlämpchens genügt, um die Folie zu durchleuchten und ihren Inhalt auf die Mattscheibe zu projizieren.

Trommel mit der Bildinformation

Betätigt man jetzt den Zündschlüssel am Simulator, dann wird alles eingeschaltet. Das Lämpchen leuchtet und man sieht die Straße am Bildschirm. Ein Summen des kleinen Elektromotors ist auch zu hören. Wird der Ganghebel aus der Leerlaufposition auf einen Gang geschaltet, so beginnt sich die Projektionswalze zu drehen und es sieht am Bildschirm aus, als ob das kleine Auto die Straße entlangfährt.

„Schalltrommel“ für das Geräusch beim Verlassen der Straße

Eine „Mechanik box“ mit reichlich Zahnrädern ermöglicht es zu erkennen, ob das Auto sich auch auf der Straße befindet oder nicht. Verlässt das Auto die Straße so wird ein eine Metallfeder in Bewegung gesetzt, die auf eine kleine „Schalltrommel“ schlägt und somit ein Knattergeräusch erzeugt. Gleichzeitig wird der Streckenzähler, der bei korrekter Straßenfahrt hochzählt, angehalten. Die ganze „Fahrsimulation“ läuft solange, bis die Tankfüllstandanzeige (ebenfalls mit einem mechanischen Schieber realisiert) „leer“ anzeigt. Dann Stoppt die Walze und die Fahrt ist beendet. Die bis dahin erreichte Streckenzahl ist somit der Highscore.

Das versteckt sich unter der „Mechanikbox“

Ein solcher Tomy Fahrsimulator – genauer gesagt – Teile davon, kamen bei einer Kelleraufräumaktion meines Elternhauses wieder mal zum Vorschein. Da fehlten allerdings schon so viele Teile, dass eine Reparatur nicht möglich war. Aber er könnte noch als Teilespender herhalten – so dachte ich mir. Also durchforstete ich wieder die Internetflohmärkte. Einige dieser Racing-Cockpits wurden dort angeboten, aber die Preise schreckten mich auch. So um die einhundert Euro wollten die Verkäufer dafür haben. Aber schlussendlich fand ich ein Exemplar, das zwar leicht defekt, aber vollständig und auch bezahlbar war. Einige Tage später hatte ich das Teil dann in Händen und eine Instandsetzung konnte beginnen. Zuerst wurden beide Racing Cockpits komplett zerlegt und gereinigt.

Bereit zur Reinigung 🙂
aus Zwei mach Eins

Danach begann der Zusammenbau. Dabei stellte sich heraus, dass der kleine Elektromotor in der -ich nenne sie mal – Getriebebox defekt war und die Mechanik dadurch nicht angetrieben wurde. Auch die Freilauffeder des Lenkradanschlages und einige Risse im Gehäuse sind mir als Defekte aufgefallen. Aber glücklicher Weise waren alle diese Teile im Spender noch gut und so konnte ich den Simulator wieder vollständig aufbauen.

die Innenansicht des Racing Cockpit

Als ich dann endlich alles wieder aufgebaut hatte ging es an den ersten Funktionstest. „Endlich“ deshalb, weil der Zusammenbau der Getriebebox doch ein bisschen Geschick erfordert, alle Wellen und Zahnrädchen wieder in die richtige Position zu bekommen und den Gehäusedeckel aufzusetzen, ohne dass wieder eine aus ihrer Führung herausrutscht. Aber es war dann irgendwann geschafft und als auch die bestellten vier Stück D-Batterien eintrafen konnte der Test beginnen…

Das Racing Cockpit arbeitet übrigens mit 3V Spannungsversorgung. Aufgrund der vier notwendigen Batterien könnte man meinen, dass hier 6V (4×1,5V) benötigt werden. Dem ist aber nicht so, da hier je zwei Batterien parallelgeschaltet sind. Das erklärt auch den hohen Batteriebedarf des Simulators, denn die Batterien (Zellen) sind immer recht schnell verbraucht. Ganz logisch, denn auch wenn das Racing Cockpit ausgeschaltet ist, fließen Ausgleichsströme zwischen den parallel geschalteten Zellen, vor allem wenn nicht alle die gleiche Kapazität haben. Und diese Entladen die Zellen dann schon bevor man losfährt….

Der Fahrsimulator war übrigens auch von einem anderen Hersteller erhältlich.  Die Firma  Dickie führte einen Simulator unter dem Namen „Car Cockpit“.  Meiner Meinung nach ist das definitiv ein Kult-Spielzeug .

21 Gedanken zu „Tomy Racing Cockpit“

  1. Das ist wirklich ein super Artikel. Vor allem auch deshalb, weil mich das Racing Cockpit in meiner Jugend ebenfalls begleitet hat! Heute, spielt mein Sohn damit. Ich stimme dir voll zu, ein absoluter Klassiker.

  2. Hi,

    super Artikel!
    Mein Vater hat sich gerade Wochen damit herumgeplagt.
    Das Getriebe funktioniert nicht mehr soo gewaltig und der Zusammenbau ist jedesmal ein Nervenkitzel!

    LG aus Innsbruck

  3. Hallo Ingmar!

    Das ist wirklich ein schöner Artikel!
    Vielen Dank!!

    Kannst Du mir vielleicht sagen was dort für eine kleine Lampe/Glühbirne benutzt wird? Bzw. auch evtl. auchswechselbar wäre gegen eine 3mm LED?

    Vielen Dank!

    Beste Grüße
    Florian

    1. Hallo Florian,
      ich würde empfehlen, anstelle des Lämpchens gleich eine (oder besser 2) LEDs einzubauen. Zwei deshalb – dass die Trommel gleichmäßiger ausgeleuchtet wird. Am besten du nimmst zwei 5mm LEDs in weiss oder gelb (wobei die gelben Leds den Farbtemperaturen der Birnchen näher kommen)
      Ach ja – und Vorwiderstände nicht vergessen, denn die LEDs wollen strombegrenzt sein…

      Wenns dann wirklich ein Lämpchen sein soll, dann am besten im Netz suchen… bei ebay und Modellbauseiten wird man fündig…

      Gruss Ingmar

      1. Ja gute Idee mit den 2 x 5mm Leds! Vielleicht evtl. sogar in Blau 🙂

        Muss ich noch was beachten bei der mini-Glühlampe ? Außer das diese 6V sein muss….
        Bekomme ich bestimmt beim Modelleisebahnzubehör etc.

        Danke!

        1. Ja, ein 3V Birnchen passt zumindest von der Spannung her – die Leistung bzw. die Stromaufnahme ist halt ein Kompromiss zwischen Helligkeit und Batterie Lebensdauer.

          Leider hab ich kein originales Birnchen mehr, um nachsehen zu können. Aber so um 200mA und mehr wirds schon benötigen…

  4. Guten Abend,
    Bieten sie auch ein Reparaturservice für den Tomy an?
    Ich habe sehr günstig ein erworben und geöffnet und bekomme ihn nicht mehr zusammen 😅

    Vielen Dank

    Grüße

    1. Hi Björn!

      Ja das ist ziemlich eine wackelige Angelegenheit 🙂
      ich war auch kurz vor dem verzweifeln, habe es dann aber geschafft!

      Wenn du möchtest kann ich dir gerne helfen.

      gruß
      Florian

      1. Moin,
        Ja das wäre wirklich sehr nett, wenn du mir helfen könntest. Da ich auch keine Ahnung habe ob er nun auch wirklich läuft und nicht das Super Know how habe 😅. Aber ich wollte den Klassiker wieder zum Leben erwecken lassen.

        Grüße

  5. Guten Tag,
    Wir würden gerne erfragen, wie sich der Schalthebel wieder installieren lässt damit sich die Trommel wieder dreht. Können Sie uns da helfen?
    Vielen Dank im Voraus,

    1. Hallo Konrad,

      dazu habe ich mehrere Fragen:
      – wenn das Modell eingeschaltet wird – hört man dann den Motor laufen ?
      – wenn man den Motor nicht laufen hört – bekommt er Strom (also Spannung am Motor messen)
      – wenn er Spannung bekommt und nicht läuft ist er defekt bzw die Schleifer im Motor
      – wenn er läuft und sich sonst nichts bewegt ist möglicherweise das Kunststoffritzel an der Motorwelle gebrochen
      – oder die Mechanik ist irgendwo blockiert

      Gruß Ingmar

  6. Hallo Ingmar,
    könntest du mir Bilder von der Verkabelung zukommen lassen?
    Ich habe ein Modell, bei dem fast alle Kabel abgerissen sind.
    Würde es gerne wieder in Betrieb nehmen.

    Vielen Dank!

    Gruß
    Heinz

  7. Hallo zusammen,
    die Verkabelung des Geräts steht.
    Leider musste ich nun feststellen, dass der Motor nicht mehr richtig funktioniert.
    ich gehe davon aus, dass der Schleifkontakt im Motor kaputt ist (Spannung da, keine Geräusche)
    Weiß hier jemand zufällig, ob man diesen Motor noch irgendwo kaufen kann?
    Ist das ein Standardteil?
    Vielen Dank für eure Hilfe!
    Grüße
    Heinz

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