Frei nach Immanuel Kant „Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind“, übernehmen Studierende des 6. Semesters ab April 2021 für die Dauer eines Berufspraktikums, auf einer temporären Lernstation im Krankenhaus der Elisabethinen (EKH) in Klagenfurt, die Rolle der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson und damit die Verantwortung für Organisation, Planung und Durchführung der Pflege. Ende Februar fand in Klagenfurt die Auftaktveranstaltung zum Projektstart statt. Die Kooperationspartner stellten sich vor und präsentierten Projektziele, Inhalte und den Zeitplan zur Umsetzung.

Studien zeigen, dass der Übergang von der Auszubildenden zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson (DGKP) von BerufsanfängerInnen als stressbehaftet wahrgenommen wird und sie sich nicht ausreichend auf ihre zukünftige Rolle als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson und die damit verbundenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten vorbereitet fühlen. Dies verweist auf die Notwendigkeit, dass bereits im Rahmen des Studiums Lernsituationen geschaffen werden müssen, welche die Studierende auf diese Situationen vorbereiten. In speziellen Lernsettings sollten berufsspezifische Fähigkeiten, Einstellungen und Strategien entwickelt werden können, um den Anforderungen im späteren Berufsleben gerecht zu werden. Eine „Lernstation“ ist eine Station, auf der Auszubildende der Gesundheits- und Krankenpflege für die Organisation, Betreuung und Pflege von PatientInnen selbst verantwortlich sind. Das Ziel dabei ist, dass Auszubildenden pflegerische Tätigkeiten direkt im Krankenhausalltag praxisbezogen und prozessbegleitend durchführen können. Dabei werden sie von PflegepädagogInnen und PraxisanleiterInnen begleitet, die sich aber bewusst im Hintergrund halten. Internationale Studien über klinische Lernumgebungen unterstreichen die positive Auswirkung auf das Lernen, die Fähigkeit kritisch zu denken und Probleme zu lösen.

Eine solche Lernstation wird im Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege in Kooperation mit dem A.ö. Krankenhaus der Elisabethinen im Rahmen des Projekts eingerichtet. Die Umsetzung erfolgt temporär im Rahmen eines Praktikums im 6. Semester. Dabei sind insgesamt 14-15 StudentInnen Tag und Nacht für max. 24 PatientInnen zuständig. Der Organisationsablauf sowie die gesamte Pflege und Betreuung der PatientInnen fällt dabei in den Verantwortungsbereich der Studierenden. Die Begleitung erfolgt dabei durch 2 PraxisanleiterInnen (am Tag), geschulte DGKP (nachts) und PflegepädagogInnen (am Tag). Die PraxisanleiterInnen sind dabei für die fachliche Begleitung verantwortlich, die PflegepädagogInnen für die Reflexion.

Ziel der Lernstation ist es, den Studierenden in geschützter Umgebung die Möglichkeit zu geben, die Verantwortung zu übernehmen und alle notwendigen Tätigkeiten in der Rolle und Funktion der DGKP im Rahmen der PatientInnenbetreuung durchzuführen. Das heißt, Studierende übernehmen den gesamten Pflegeprozess, die Organisation, die Planung und die Durchführung von der Aufnahme bis zur Entlassung der PatientInnen für die Dauer von 2-3 Wochen. Vorab planen die Studierenden den Stationsablauf und den Dienstplan eigenständig. Hinsichtlich der medizinischen und therapeutischen Behandlung unterscheidet sich die Lernstation nicht von anderen Stationen. Mit der Durchführung dieses Projekts folgt die FH Kärnten der geforderten praxisnahen und modernen Ausbildung der Gesundheits- und Krankheitspflege wie sie im skandinavischen Raum bereits gelebt wird, frei nach Immanuel Kant „Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind“.

Durch die Kooperation mit dem A. ö. Krankenhaus der Elisabethinen bietet sich für die FH Kärnten die Möglichkeit, diese Form eines Praktikums als eine der ersten Fachhochschulen anzubieten. Die BewerberInnen für ein Pflegestudium haben die Möglichkeit aus unterschiedlichen Fachhochschulen in ganz Österreich zu wählen – das Anbieten eines Praktikums auf einer „Lernstation“ (als einzige in Südösterreich) bedeutet einen zusätzlichen Attraktivitätsgewinn für den Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Kärnten. Es ermöglicht neue Zugänge zum reflektierten, lösungsorientierten und selbstgesteuerten Lernen. Bei einer positiven Pilotierung ist auch die Möglichkeit für Folgeprojekte mitzudenken.
Erweitert werden kann das Konzept auch auf andere Gesundheitsberufe – z.B. könnten StudentInnen der Physio- und/oder Ergotherapie ein Praktikum auf der temporären Lernstation absolvieren. Wenn die Umsetzung erfolgreich verläuft, könnte zukünftig ein zweites Praktikum angeboten werden um mehreren Studierenden die Möglichkeit zu geben auf der Lernstation Erfahrungen für den späteren Berufsalltag zu sammeln.