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„ICH VERMISSE EUCH!“- FH-Studis teilen ihre Gedanken zur Krise

In einer neuen Blogreihe möchten wir Studierenden die Möglichkeit geben, sich mitzuteilen. Alles ist möglich und erlaubt. Wünsche, Statements, Ideen, Eindrücke aber auch Sorgen, Ängste und Ratschläge – sowohl aus der Sicht eines Studierenden als auch einer Privatperson.

Den Anfang machen Business Management-Studierende Claudia Egger (vollzeit), Thomas Baldauf (vollzeit) und Hannes Tribelnig (berufsbegleitend) mit ihren Beiträgen. Vielen Dank für eure schönen und ausführlichen Beiträge.

Claudia Egger vom 03.04.2020

„Wir sitzen alle im gleichen Boot und können nur jeden Tag das Beste draus machen“

Mich hat die Corona-Krise persönlich das erste Mal so richtig getroffen, als wir das E-Mail von der Hochschulleitung bekommen haben, dass die Unis bis Ostern geschlossen werden. Davor hab ich aus den Medien nur die Berichte mitverfolgt, doch irgendwie war es nicht so wirklich greifbar. Ich war gerade auf Wellness und dachte mir, dass jetzt nach den ganzen Jahresabschlussarbeiten im Büro und dem geglückten Start ins 4. Semester wird der März ein bisschen einfacher. Doch leider kommt alles meistens ganz anders als gedacht.

Was die FH anbelangt, ging es sehr schnell und die Professoren haben die Vorlesungen auf Online-Modus umgestellt und eine rasche und praxisorientierte Lösung gefunden.

Doch die digitale Lehre ist natürlich noch ungewohnt und der ganze Rhythmus ist durcheinander. Wir waren es jetzt die letzten 3 Semester gewohnt, uns jede Woche mindestens 3-mal zu sehen und auch Lerngruppen gemeinsam zu meistern. Diese waren immer sehr bereichernd. Und auf einmal ist alles anders. Die StudienkollegInnen fehlen auf alle Fälle und den persönlichen Kontakt vermisse ich doch sehr.

Das gute an der Krise ist jedoch, dass man gesehen hat, wie schnell gewisse Dinge umgesetzt werden können und dass alle lernen, flexibler zu werden. So können wir alle unseren Nutzen daraus ziehen. Und ich bin überzeugt davon, dass sich gewisse Werte ändern werden. Vielleicht ist das Leben danach ein bisschen langsamer und entschleunigter.

Gemeinsam werden wir das schaffen

Ich bin in dieser herausfordernden Zeit froh, dass ich das Studium als Ausgleich zum Alltag habe und wir hier viele Instrumente kennenlernen, die wir auch in die Praxis umsetzen können. Ich bin stolz drauf, Studentin am Campus in Villach zu sein und das Studium auf alle Fälle eine Bereicherung. Durch die vielen interessanten Themengebiete bekommt man auch einen Weitblick für gewisse Dinge und es ist auf alle Fälle eine Erweiterung des Horizonts. Es ist ebenso schön, so viele tolle Wegbegleiter auf der FH kennenzulernen zu dürfen.

„Einzigartige“ Zeiten

An diese Zeit werden wir uns sicherlich ewig erinnern. Denn so eine außergewöhnliche Zeit macht nicht jeder während seines Studiums mit. Es wird bestimmt dann auch wieder ein komisches Gefühl sein, wenn wir uns für die Vorlesungen wieder ins Auto setzen, nicht im Pyjama oder Jogginganzug vor dem PC sitzt und auch wieder in einem echten Hörsaal und nicht im Wohnzimmer oder am Esstisch sitzt. Jedoch freue ich mich wirklich wieder auf diese Zeit, in der wir uns wieder wie gewöhnt auf der FH begegnen und wieder gemeinsam unsere Ziele vor Augen haben. ICH VERMISSE EUCH!

Ein großes DANKESCHÖN gilt dem ganzen Kollegium auf der FH, die uns wirklich sehr gut unterstützen und begleiten. Die Information und Kommunikation durch die FH erfolgt wirklich sehr transparent und es ist das gesamt Team sehr bemüht, dass wir dieses Semester gemeinsam schaffen. Es ist nicht selbstverständlich, dass das Studium unter diesen Umständen so reibungslos funktioniert und nahtlos weitergeht.

Bleibt gesund und wir werden sicherlich gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.

Claudia Egger

Thomas Baldauf vom 02.04.2020

Es ist die Zeit der schnell gestellten Fragen und vagen Antworten. Es ist die Zeit der stillen Helden. Es ist die Zeit des neuen Alltags. Es ist die Zeit zweifelnder Hoffnung und untersagter Trauer. Es ist die Zeit der Umstellung und des Wandels. Es ist die Zeit sich zu kümmern, anstatt zu verkümmern, zu bestärken, zu verstehen, zu beobachten, sich selbst und sich gegenseitig ins Reine zu bringen, sich einzuordnen und sich spontan zu reflektieren. Es ist die Zeit der Isolation für ein Miteinander. Es ist Neulandzeit. Es ist Zeit für einen Blick nach vorne.

Ich selbst bin mir nicht sicher ob ich bereits einordnen kann, was das Momentan mit mir persönlich macht. Am einen Tag plagen mich Sorgen, Selbstzweifel, Verlustängste und eine lose Schockstarre. Am nächsten Tag könnte ich vor unbegründetem Selbstvertrauen und zukunftsträchtiger Tatkraft in vorderster Reihe stehen, um dem Virus den Kampf anzusagen und alle Last auf meinen Schultern tragen.

Ich allein kann nicht. Wir gemeinsam können doppelt.

Auch wenn viele Fragen noch offenbleiben, so sind manche bereits beantwortet. Als vor Monaten, unbeschadet von den momentanen Geschehnissen laut darüber nachgedacht wurde ob wir der Digitalisierung gewachsen sein werden, ob wir dieser Neudefinition des Alltages standhalten können, war nicht absehbar wie einfach sie uns nützlich zur Seite stehen kann. Schule, Studium und Arbeit von Zuhause aus ist keine Utopie mehr. All das ist Realität und gangbarer Weg. Ich für mich persönlich kann mit den Erfahrungen, die ich in letzter Zeit gemacht habe, zweifelsfrei sagen: Digitalisierung ist kein Morgen. Digitalisierung kann und muss Heute, muss jetzt.

Aus meinem Alltag und meiner Arbeit erzählt, kann ich gute Kunde verbreiten. Österreich funktioniert. Wir funktionieren. Und auf mein Studium bezogen- FH funktioniert. FH kann auch digital. Sei es in online Lehrveranstaltungen oder auch temporär über die Plattformen Microsoft Teams und Moodle. Jeder versucht. Die meisten können auch schon. Natürlich fordert es von jedem einzelnen Übung, Mut, neues Denken, anderen Zugang und neue Struktur. Umgekehrt, ist es nicht besser Neues zu entdecken, Neues zu lernen, anstatt sich der Situation zu ergeben und sich im Abwarten und Nichtstun zu verlieren.

Abschließend darf ich noch meinen persönlichen Wünschen und Hoffnungen Ausdruck verleihen:

Werden wir uns gegenseitig in unserer Liebe nicht fremd. Machen wir charmante Worte, sensiblen Zugang, Achtsamkeit, tatkräftige Hilfsbereitschaft, bestärkende Moral, sommerliche Natur und Noblesse in schwerer Stunde zu unserem Leitbild. Finden wir im Zuhören und Zugestehen ein inneres Bejahen. Machen wir uns durch Zuversicht gegenseitig glücklich. Lernen wir Miteinander das Leben neu lieben. Finden wir uns in gegenseitig gegönntem Frieden. Lassen wir uns aufeinander und die Zeit danach ein. Führen wir Zweifel durch offene Haltung in die Fremde. Kommen wir dadurch an, dass wir aufeinander zugehen. Genügen wir uns wieder gegenseitig und selbst. Versöhnen wir uns, anstatt uns ans Momentan zu sehr zu gewöhnen. Bleiben wir freundschaftlich friedlich. Heben wir uns gegenseitig hervor, anstatt uns zu erdrücken und retten wir uns gegenseitig durch ein Lachen den Tag. Der Regen fällt sowieso von selbst in den Tag hinein. Spannen wir uns gegenseitig den Schirm. Denn Unterschied ist nicht gleich unähnlich, Unterscheid ist lediglich „eigenartig“ und persönlich. Wir sind ureigen, für einander bestimmt. Machen wir es jetzt. Machen und schaffen wir es gemeinsam.

Thomas Baldauf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hannes Tribelnig vom 06.04.2020

Was machst du damit es dir in dieser Zeit besser geht?

Ich versuche Eines nach dem Anderen zu erledigen und die Situation, soweit möglich, von der positiven Seite zu sehen. Die Zeit, die durch die momentane Entschleunigung der Wirtschaft und Gesellschaft frei wird, fülle ich mit Lesen, Sport und Renovierungsarbeiten in unserer neuen Wohnung. Leider ist der Kontakt mit Freunden und Familie eingeschränkt, ich versuche so gut es geht dies mit Telefon und Skype zu kompensieren.

Was tust du gegen Einsamkeit?

Ich wohne mit meiner Lebensgefährtin in einem Mehrparteienhaus, in einer Wohnung mit Garten (noch) – die Nachbarschaft trifft sich fast täglich, natürlich unter Einhaltung der Mindestabstände, zu Garten-Meetings. Abgesehen davon habe ich auch täglich mehrere MS Teams oder Skype Meetings – daher kann, in meinem Fall, von Einsamkeit nicht wirklich die Rede sein. Ich denke, dass hier Menschen die zur Risikogruppe gehören, wie etwa meine Großeltern, weit mehr betroffen sind.

 

 

 

 

 

 

 

Wie sieht dein FH-Alltag aus? Wie bringst du Arbeit, Privates und Studium unter einen Hut?

Momentan habe ich nur LVs die ausschließlich auf selbstständige Erledigung bauen, somit keine laufenden, digitalen Lehrveranstaltungen anbieten. Die Kommunikation läuft trotzdem gut und wir erledigen die anfallenden Tasks im Team entsprechend dem Feedback und den Anweisungen der Lehrveranstaltungsleiter. Die Team-Koordination ist digital reibungslos und effizient durchführbar, somit kein Problem. Da sich Arbeit, Privates und Studium derzeit quasi ausschließlich in den eigenen vier Wänden abspielen ist Einiges für mich sogar leichter zu vereinbaren bzw. zu koordinieren als vor der Krise.

Was möchtest du in dem Blog den LeserInnen mitgeben

Alles hat ein Ende, auch diese Pandemie wird eines haben. Die derzeitigen Einschränkungen bleiben nicht für immer, momentan jedoch schulden wir es den besonders Gefährdeten Mitgliedern unserer Gesellschaft auf Einiges zu verzichten. Wir können diese Krise aber statt als reinen Verzicht auch als Chance begreifen, als Chance Veränderungen herbeizuführen oder beizubehalten. Distance-Learning, beispielsweise, als fester Bestandteil eines FH-Studiums würde meines Erachtens nicht nur zu erhöhtem Interesse bei Berufstätigen führen und die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Studium begünstigen, sondern wäre auch ein Beitrag zur Reduktion des CO²-Fußabrucks der Studenten. Dasselbe gilt für das berufliche Umfeld, eventuell könnte man auf die ein oder andere Geschäftsreise per Flugzeug oder Auto verzichten, wäre man dem Thema Remote-Work etwas aufgeschlossener. Zu guter Letzt sollte diese Krise uns, zumindest meiner Meinung nach, lehren wieder mehr Dankbarkeit zu zeigen und weniger Dinge als selbstverständlich anzusehen. Ich persönlich kann es beispielsweise kaum erwarten, dass die Baumärkte nach Ostern wieder aufsperren. 🙂

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