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Eine miefelnde Kegelbahn als sozialer Raum? Why not!

Der Ausgangspunkt für das aktuelle 1:1 Projekt des Studiengangs Architektur war mehr als herausfordernd. Es handelte sich um eine Kegelbahn – einen Leerstand – der von mehreren Vereinen in einen sozialen Begegnungsort in einem wachsenden Wohngebiet in Klagenfurt verwandelt werden sollte.

Die Vorstellungen der Nutzung waren vielfältig: Verschiedene Werkstätten, ein Sprachcafé abhalten, Gemeinschaftskochen, Konzerte und Modeschauen. All das sollte möglich sein. Also stellte sich die Frage: Welcher Raum kann das? Und noch dazu mit begrenzten Mitteln.


Räume zum Verweilen schaffen

Selbst Professor Hagner, der bereits mehrere soziale Bauprojekte mit Studierenden gemeinsam entwickelt und umgesetzt hat, sah die Ausgangssituation kritisch und beschreibt sie selbst bis zum Start des tatsächlichen Bauprozesses im Februar 2019, als eher zögerlich: „Denn anfangs war es ein unangenehmer Raum: die Kegelbahn war im hinteren Bereich sehr dunkel, durch den langen Leerstand war es vom Geruch her unangenehm und im Februar natürlich extrem kalt. Kurz gesagt: Kein Ort, an dem man Lust hat, sich aufzuhalten.“ Das änderte sich mit dem tatsächlichen Start.

„Die Studierenden haben es geschafft den Raum so zu verwandeln, dass man Lust hat, darin zu sein und etwas gemeinsam zu tun.“ (Alexander Hagner)

 

Räume für Menschen schaffen

Die ProjektteilnehmerInnen sahen es ähnlich. Für sie war das Projekt „Why not“ und seine vielen Ebenen eine richtige Challenge: die Abstimmung mit den Auftraggebern, vom reinen Planen ins Tun und Umsetzen zu kommen, zu erkennen, dass man vielleicht zu bestimmten Zeitpunkten anders rum denken sollte, um den nächsten Schritt setzen zu können und natürlich das Teamwork der rund zehn Studentinnen aus unterschiedlichen Semestern zum Schwerpunkt „Soziales Bauen“.

Studentin Julia: „Im ersten Semester, als wir den gesamten Masterplan für das Gelände gemacht hatten, wussten wir auch nicht so richtig, was auf uns zu-kam. Es war unser erstes soziales Projekt.“ Die positive Initialzündung gab die Projektpräsentation vor den Auftraggebern – den Vertretern der Vereine. „Da ist der Funke übergesprungen. Die Auftraggeber waren so euphorisch und haben die positive Stimmung dann auf uns übertragen. Das hat das gesamte Projekt hindurch angehalten. Denn wir haben erstmals hautnah gespürt, was es heißt, Räume für Menschen zu schaffen.“

„Architekten geben Menschen ein Dach über dem Kopf.“ (Studentin Klara)

 

 

 

Studentin Klara bestätigt: „Das Spannende an der Architektur ist, dass man durch den Beruf etwas für die Gesellschaft und die Mitmenschen machen kann. Architektur ist für Menschen, denen man ein Dach über den Kopf geben kann.“

Design Build – Räume gestalten

„Denn eigentlich war es kein Haus, das wir im „Why Not“ gestaltet haben, sondern ein Möbelstück,“ so Johanna (ehemalige TU Wien Studentin). In der Umsetzung haben die Studierenden sehr schnell gelernt, wie geduldig Papier eigentlich ist. „Erst wenn man etwas wirklich selbst bauen muss, wie die beweglichen Wände im „Why Not“– muss man sich gut überlegen, wie es unter realen Vorgaben tatsächlich funktioniert.“

„Erst bei der Umsetzung merkt man, dass beim Bauen andere Dinge wichtig sind, als rein beim Planen.“ (Johanna)

„Es ist etwas Besonderes, denn sobald man etwas in Händen hält oder man etwas mit den Händen tut, passiert nochmals etwas ganz anderes im Gehirn,“ so Studentin Klara, „Man ist einfach stolz, wenn man etwas selbst erschaffen hat. Deswegen ist dieses Hands-on schon toll und stärkt das Selbstbewusstsein und den Lerneffekt im Studium.“

Dass es bei Design Build nicht nur um Wissen geht, bestätigt Julia: „Man lernt bei den Design Build-Projekten sehr viel durch Teamwork. Es gibt Phasen, in denen sich keiner mehr sehen will, da am Tag davor alles schiefgelaufen ist. Und am nächsten Tag steht der Schrank, alles sieht gut aus und die Euphorie ist wieder da. Das schafft ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Planen und Bauen heißt Gestalten

„Man hat ja immer Verantwortung. Und besonders als Architektin kann man auch die Umgebung mitgestalten,“ so Johanna. Speziell für sie, die ihren Bachelor an der TU Wien machte und den Masterstudiengang „Architektur“ nun an der FH Kärnten absolviert, liegt der Fokus in Zukunft eher auf kleineren und umsetzbareren Projekten. „Denn wie oft plant man eine Oper oder ein anderes Großprojekt“, so Johanna.

Studentin Julia: „In der Architektur träumen viele davon, Stararchitekten zu werden und große Häuser zu planen oder imposante Bauten, etwa Bibliotheken. Die meisten denken nicht daran, schöne soziale Bauten zu planen und daraus etwas Besonderes zu machen. Das wird meist vernachlässigt – oft entstehen daher nur sehr schlichte Bauten oder gar nur Container – etwa für Flüchtlinge.“

Selbsterfahrungswerte

Wie Räume auf Architektur-StudentInnen wirken, zeigt sich in der positiven Grundstimmung. „Der Campus Spittal der FH Kärnten ist schon ein schönes Gebäude, in das man täglich sehr gerne geht,“ so Julia. Es ist der familiäre Umgang miteinander, die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Studierenden und Professoren und sicherlich auch die Kleinheit, die überzeugt.“

Die Umsetzung der Kegebahn war unter anderem durch die kurzfristige Unterstützung der Hans Sauer Stiftung möglich.

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