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Amaniños – Physiotherapie kann mehr

Martina Rebnegger ist Physiotherapeutin aus Leidenschaft. Gerade eben war sie noch zwei Monate in Kolumbien, seit ein paar Monaten ist sie wieder in Kärnten. Martina lehrt neben ihrer Praxis in Velden an der Fachhochschule Kärnten am Campus Klagenfurt – St. Veiterstraße Physiotherapie. Sie möchte unter anderem ihren Studierenden auch darüber berichten, was mit dem Studium der Physiotherapie alles möglich ist.

„Schon im Kindesalter entstand bei mir der Berufswunsch Physiotherapeutin, da ich gerne mit Menschen arbeiten wollte. Nach meiner Ausbildungszeit hatte ich zwei Träume – aufgrund der medizinischen Qualität in die Schweiz zu gehen und mich weiterzubilden sowie humanitäre Arbeit zu leisten.“ Beides konnte sich Martina erfüllen. Nach ihrer Ausbildung ging es ins Spitalzentrum Biel in der Schweiz, wo sie als Physiotherapeutin Praxiserfahrung sammeln konnte sowie, interdisziplinär und interprofessionell vernetzt, für eine optimale, auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten zugeschnittene Behandlung und Rehabilitation sorgte.

Freiwilligenarbeit in Bolivien

„Im Jahr 2012 sammelte ich dann erstmals Erfahrungen in Südamerika. In einem indigenen Bergdorf namens Colomi in Bolivien baute ich für die Organisation ‚World Vision Bolivia eine Kinderphysiotherapie mit auf. Es stellte sich jedoch heraus, dass nur 2 % der Spenden wirklich bei den Kindern ankamen. Obwohl die Arbeit mit den Kindern sehr bereichernd war, war die Enttäuschung über die Organisation groß.“ Martina entschloss sich daher, immer wieder Freiwilligenarbeit zu leisten, jedoch bei Organisationen, bei denen die Spenden zweckmäßig verwendet werden.

Als Freiwillige der ersten Stunde für die Hilfsorganisation im Einsatz

Durch Martinas berufliche Laufbahn in der Schweiz entstand der Kontakt zu Tamara Martínez, BSc.,  der Gründerin der Schweizer Organisation Amaniños in Kolumbien.

Tamara Martínez absolvierte ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin an der FH Lausanne in der Schweiz. 2013 leistete sie ihre erste humanitäre Arbeit für die Organisation „Physiothérapeutes du Monde“ in Ecuador. Die Organisation unterstützt verschiedene pädiatrische Einrichtungen in Vietnam, Togo, Ecuador und Kolumbien. Durch die 6-monatige Entwicklungshilfezeit in Tena (Ecuador) entstand der Traum eines eigenen Projektes, welches sie 2014 in Mocoa (Kolumbien) unter dem Namen „Amaniños“ startete. Die Kopforganisation übernimmt Physiothérapeutes du Monde, und Tamara wurde zur Vizepräsidentin.

Die Hilfsorganisation Amaniños organisiert Therapien durch Physiotherapeut*innen bei den Menschen zuhause. Auf dem Bild zu sehen ist Martina Rebnegger bei der Behandlung einer kleinen Patientin.

„2015 arbeitete ich als erste Freiwillige beim Projekt ‚Amaniños in Mocoa mit“, erzählt Martina. „Mocoa ist eine ländliche Zone, die nicht viel Unterstützung vonseiten der Regierung bekommt. Wo es den Menschen an Wasser, Geld, Nahrung und Wohlstand fehlt, mangelt es ihnen nicht an Gastfreundlichkeit und Offenheit.“ Martina machte sich für die Kinder aus der Dschungelregion stark. Seit 2014 sind 25 Kinder, teilweise mit schweren Behinderungen oder Erkrankungen, im Programm. Diese werden mit dem Moped zu Hause besucht, wo auch die Therapie stattfindet. Die Kinder erhalten die Physiotherapie einmal pro Woche zu Hause. Dies ermöglicht auch einen guten Kontakt zu den Familien und einen Einblick in familiäre Verhältnisse.

Hilfe zur Selbsthilfe: Kinder erhalten kostenlose Physiotherapie, Eltern kostenlosen Unterricht

„Die Dankbarkeit der Eltern und Kinder ist kaum in Worte zu fassen“, berichtet Martina. „Es sind Schicksale, die man bei uns nicht sieht; Krankheiten, die es bei uns nicht gibt. Kleinkinder, die in Europa von Geburt an unterstützt werden, fallen hier komplett durch das System.“ Martina spricht viel von sozialer Isolation. Gerade Menschen mit schweren Behinderungen müssen aufgrund der Infrastruktur über Jahre zu Hause bleiben. Sie werden von der Gesellschaft abgeschottet, und viele haben darunter sehr schwer zu leiden. Deshalb organisiert „Amaniños“ immer wieder Events, um die Kinder aus ihrer Isolation zu holen.

Mit Veranstaltungen will man die Kinder aus der Isolation holen.

Bei der Organisation „Amaniños“, die durch Spendengelder aus der Schweiz und ganz Europa finanziert wird, kommen 100 % der Spenden bei den Familien an, was insbesondere im Hinblick auf die Korruption in Kolumbien sehr wichtig ist. Die Kinder und Jugendlichen, ein bis zwanzig Jahre alt, erhalten kostenlose Physiotherapie und die Eltern kostenlose Unterrichtsstunden, um zu lernen, wie sie ihre Kinder behandeln können – Hilfe zur Selbsthilfe. Es werden notwendige Hilfsmittel angeschafft (Rollstühle, Prothesen usw.) und in abgelegenen Dschungelregionen, wo es keine medizinische Versorgung gibt, Workshops angeboten, um dort die Eltern zu instruieren, wie sie ihre Kinder therapeutisch unterstützen können.

Unterstützung bei Wiederaufbau nach Naturkatastrophe

Ende März 2017 wurde Mocoa von einer schlimmen Naturkatastrophe heimgesucht. Nach schweren Überschwemmungen und Stein- und Schlammlawinen gab es über 1000 Tote und hunderte vermisste Menschen, darunter auch viele Kinder. Auch eines der Kinder von „Amaniños“ verstarb. Die Stadt Mocoa war im Ausnahmezustand und über einen Monat ohne Wasser und Strom. Durch die Korruption in Kolumbien kamen viele Hilfsgüter der Regierung, der Caritas, des Roten Kreuzes und von anderen Hilfsorganisationen nie bei den Hilfsbedürftigen an. „Amaniños“ half vom ersten Tag an mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Hygieneartikeln und vielem anderem mehr. Nach dem ersten Schock begannen dann die Aufräumarbeiten, bei denen auch die freiwilligen MitarbeiterInnen von „Amaniños“ mitgeholfen haben. Außerdem half Tamara mit ihrem Projekt bei der Beschaffung von neuen Wohnmöglichkeiten, Kleidung und Arbeit und bei vielen anderen Dingen, wie zum Beispiel bei der Beschaffung der Einrichtung einer Schule. „Dies geschieht bis heute, wovon ich mich von Februar bis März 2019 als freiwillige Mitarbeiterin wieder selbst überzeugen konnte“, so Martina.

FH Kärnten Absolventin machte ehrenamtliches Praktikum

Sylvia Göderle, BSc, Absolventin der FH Kärnten, hat diese Erfahrung schon gemacht. Nach ihrem Studium wollte sie ihrem lang ersehnten Traum nachgehen: ihr Wissen dort anwenden, wo es nicht selbstverständlich ist, dass Physiotherapie für beinahe jeden zugänglich ist. Sylvia suchte den Kontakt zu Martina und absolvierte daraufhin ein Praktikum bei „Amaniños“. „Ich packte meinen Rucksack und hatte die sehr prägende, lehrreiche, herzerwärmende Möglichkeit, für 10 Wochen in Mocoa mit Kindern und jungen Erwachsenen physiotherapeutisch zu arbeiten. Ich möchte keine der vielen wundervollen Begegnungen mit den Kindern und deren Familien missen“, erinnert sich Sylvia. Sie hat in dieser Zeit viel gelernt, und es war ihr von Anfang an wichtig, ehrenamtlich bei einer Organisation zu arbeiten, bei der sie sich sicher ist, dass das Geld auch bei den Kindern ankommt. „Ich bin nicht nur in meiner Arbeit als Therapeutin, sondern auch als Mensch gewachsen und bin sehr dankbar für die dort gemachten Erfahrungen.“

Freiwillige werden immer gesucht

Gefragt sind auch Therapeut*innen aus anderen Sparten und Ärzt*innen, die „ihren menschlichen Horizont erweitern möchten“.

Wissenschaftliches Arbeiten ist Martina in ihrem Beruf sehr wichtig, und so schloss sie 2018 ihren Master in Sports Physiotherapy (MSc) ab. „Teilweise treten das Arbeiten mit den Menschen, die Empathie sowie die sozialen und fachlichen Kompetenzen dadurch mehr in den Hintergrund. Eine Freiwilligenarbeit in einem Entwicklungsland erweitert nicht nur den menschlichen, sondern auch den physiotherapeutischen Horizont … zurück zum Ursprung“, erzählt Martina. Es ist ihr sehr wichtig, dass in Zukunft nicht nur Studierende der FH Lausanne (Schweiz) und des gesamten Schweizer Raumes, sondern auch Studierende der österreichischen Fachhochschulen die Möglichkeit haben, ihren fachlichen und sozialen Horizont in der Freiwilligenarbeit in Mocoa zu erweitern. Spanisch-Grundkenntnisse wären dabei von Vorteil. Die Organisation der Praktika der Studierenden bzw. der bereits fertig ausgebildeten PhysiotherapeutInnen und auch anderer Berufssparten erfolgt persönlich über Martina. „Wir hoffen, dass neben Physiotherapeut*innen auch Ärzt*innen, Ergotherapeut*innen, Logopäd*innen, Psycholog*innen, Pflegepersonal usw. freiwillig mithelfen wollen und dadurch nicht nur ihren beruflichen, sondern auch menschlichen Horizont erweitern möchten.“

Studierende können Erfahrung sammeln

Martina beabsichtigt, Vorträge und Präsentationen über „Amaniños“ anzubieten. Auch Praktika sollen zukünftig über die Fachhochschule Kärnten machbar sein, diese sind aber noch in Planung. Bei Interesse, aber auch bezüglich Spenden kann man sich jederzeit bei Martina melden. Für eine einfache Unterkunft und eine erstklassige Ausbildung in den Fachbereichen Pädiatrie, Neurologie und Orthopädie mit einer Therapeutin vor Ort ist gesorgt, nur der Flug wäre selbst zu bezahlen.

Martina Rebnegger legt viel Herzblut in die Therapie „ihrer“ Kinder.

Durch die Erfahrungen mit den Kindern wurde Martina die Wertschätzung und Dankbarkeit für das Leben noch mehr bewusst. Ihr Ziel ist es, noch viel mehr Menschen dazu zu bringen, diese wertvollen Erfahrungen selbst erleben zu wollen. Sie möchte demnächst zum fünften Mal nach Kolumbien fliegen, um „ihre Kinder“ in Mocoa zu besuchen und sich wieder mit viel Herzblut therapeutisch zu engagieren.

Martina Rebnegger, MSc ist seit 2008 Physiotherapeutin. Sechs Jahre widmete sie sich ihrem Beruf in Biel in der Schweiz (Spitalzentrum und Praxis) und leistete 2012 als Physiotherapeutin zum ersten Mal Entwicklungshilfe in Colomi (Bolivien) für „World Vision Bolivia“. Frau Rebnegger ist seit 2015 selbstständige Physiotherapeutin in Velden (Praxis Movendi) und externe Vortragende an der FH Kärnten für „Physiotherapie in der Pulmologie“. In ihrer Freizeit leistet sie immer wieder Freiwilligenarbeit als Kinderphysiotherapeutin für „Amaniños“ in Mocoa (Kolumbien) und ist seit 2019 verantwortliche Physiotherapeutin für „Amaniños“ im deutschsprachigen Raum.

KONTAKT
Martina Rebnegger BSc. MSc.
martina.rebnegger@gmx.at

Spendenkonto Schweiz:
Tamara Martinez
Physio du monde
Route de Morges 6
1132 Lully
IBAN: 97 0076 7000 k 534 3025 5

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