Ausstellungseröffnung und Buchpräsentation „Bauen für Afrika“

Gestern Abend am 5. Mai 2015 wurde im feierlichen Rahmen und im Beisein zahlreicher Gäste die Ausstellung „Bauen für Afrika“ – eine beeindruckende Leistungsschau von sozialen Bauprojekten am Standort Spittal an der FH Kärnten eröffnet.

Die Ausstellung setzt sich mit  Architektur, alternativen Bauweisen und Prozessen sowie Hintergründen in Afrika auseinander. „Bauen für Afrika“ ist eine Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein buildCollective.

In seinen einleitenden Worten hob Siegfried Spanz, Geschäftsführung der FH Kärnten, die Einzigartigkeit dieser Ausstellung hervor. Mit viel persönlichem Engagement von Studierenden und Lehrenden sind gemeinnützige Projekte entstanden – die Ausstellung zeigt, welche Prozesse erst durchlaufen werden müssen, damit Bauprojekte in Afrika realisiert werden können. Reinhard Rohr, Landtagsabgeordneter und 1. Landtagspräsident, unterstrich in seinen Grußworten, die Wichtigkeit über den Tellerrand hinaus zu blicken und war beeindruckt von den Erfahrungen, die Studierende in Afrika gemacht haben. Sie sind durch eine Lebensschule gegangen und profitieren von sozialen Kompetenzen in vielen Lebensbereichen. Peter Nigst, Studiengangsleiter Architektur FH Kärnten, ist stolz darauf alle Afrikaprojekte betreut zu haben. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung ist, dass soziale Kompetenz nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt wird. Er unterstreicht damit die Wichtigkeit dieser Projekte, in denen nicht nur Leistung abgefragt wird, sondern in denen auch ein tieferer Sinn erkannt wird.  Ohne die Mitwirkung der FH Kärnten und dem hohen Einsatz der Studierenden und Lehrenden sowie die Kooperation mit buildCollective und dem Verein »s2arch«, der von Christoph Chorherr gegründet wurde, könnten die Bauvorhaben in Afrika nicht realisiert werden. Auch Jürgen Wirnsberger, der anfangs als Studierender an den Projekten mitarbeitete und heute als Betreuer in allen weiteren Afrikaprojekten involviert ist, betont die Sonderstellung aufgrund dieser Projekte in der Ausbildung am Studiengang Architektur.

Ausstellungsrundgang
„Build together, learn together“ – für die Studierenden stellen 1:1 Projekte in Afrika eine einzigartige Chance dar, ihre Kreativität und Ideen in Form von Projekten umzusetzen, vom baulichen Vorhaben bis zu allen planerischen und relevanten Phasen der Ausführung. Mit ihren eigenen Händen schaffen Sie etwas vollkommen Neues in einer fremden Kultur und erhalten Einblicke in die Lebensrealität der südafrikanischen Townships. Im Gegenzug lernen die Südafrikaner europäische Arbeitsweisen und Techniken für ihren Bedarf einzusetzen. So entstanden seit 2008 rund um Peter Nigst und buildCollective für den gemeinnützigen Verein  »s2arch« u. a. Schulen oder eine Fußgängerbrücke in Südafrika. Die FH Kärnten am Standort Spittal  mit dem Studienangebot „Bauingenieurwesen und Architektur“ bietet den Raum für die Auseinandersetzung mit diesen außergewöhnlichen und faszinierenden Projekten in der Ausstellung „Bauen für Afrika“. Im Rundgang der Ausstellung wird deutlich,  dass zur Umsetzung der Bauten Sponsoren und starke Partner vor Ort gebraucht werden, die bereit sind einen hohen Leitungsaufwand zu tragen und lange Vorlaufzeiten in Kauf zu nehmen. Die Arbeit selbst aber ist von Teamgeist und einer hohen Gruppendynamik geprägt, die Fertigstellung wie die einer Schule ist für das Team ein besonders emotionales Erlebnis. Die Erklärung der Absolventen Massimo Vuerich, Samira Taubmann, Christian Probst und Dominik Fasching zu ihren Schulprojekten und Florians Anzenberger Ausführungen zur Umsetzung der Fußgängerbrücke berührten die Besucher, denn es wurde deutlich wie sehr bereits in den Entwürfen darauf geachtet wurde, dass nahezu alle Arbeiten von Hand möglich sind.

Simone Kremser betonte in ihrer abschließenden Buchpräsentation zum Bau der Schule in Mzamba die Bedeutung des Papieres und des Druckes. In ihrer Publikation stehen die Abbildung des Prozesses im Vordergrund sowie die unmittelbare Erlebbarkeit des Projektes.  Einen anerkennenden Ausklang gab es von Christoph Chorherr, der sich via Videobotschaft an die Ausstellungsbesucher wandte. „In einer Zeit, in der viele an sich selbst denken, ist es unglaublich wieviel Kraft junge Menschen aufbringen können, um in acht Wochen ein ganzes Gebäude zu errichten. Das Vermögen, die Kenntnisse und die Ausdauer ein Projekt umzusetzen, ist beispielhaft.“

Hintergrund Selbstbauprojekte in Afrika
Im Rahmen der Architekturausbildung an der FH Kärnten profitieren die Studierenden durch die gezielte Beschäftigung mit Selbstbauprojekten enorm, sie übernehmen von Beginn an die Verantwortung für das Projekt, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Eine wesentliche Rolle spielt in diesem Kontext auch BuildCollective, die als Projektpartner in Afrika bei der Umsetzung  immer vor Ort waren. BuildCollective, gegründet von Marlene Wagner und Elias Rubin, versteht sich dabei als Plattform für die Entwicklung alternativer Bautechnologien. Architektur wird in diesem Zusammenhang nicht als Produkt, sondern als Prozess der Produktion, als Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren und Gruppen, die einen gemeinsamen Raum entstehen lassen, betrachtet. Als gemeinnütziger Verein agiert BuildCollective als Vermittler und achtet darauf, vorhandene Potenziale und Ressourcen für eine angepasste Architektur basierend auf ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit zu nutzen. So steht die Frage um Ort und Ressourcen am Beginn jeden Projektes – Baumaterial, lokale Traditionen, Kapazitäten des Partners, vorhandene Fertigkeiten und Team Zusammensetzung definieren Prozess und gebauten Raum.

Die Vorstellung dieser großartigen Leistungen und andererseits die Frage nach der Rolle der Architektur erfahren in dieser Ausstellung einen kontroversen Wissenstransfer von der ersten in die dritte Welt. Der gemeinnützige Verein »s2arch« wurde 2004 von Christoph Chorherr gegründet und fungiert als Auftraggeber zur Errichtung von Gebäuden für gemeinnützige Zwecke wie Kindergärten, Schulen oder Behinderteneinrichtungen, um eine soziale und nachhaltige Architektur in Entwicklungsländern zu implementieren.

Details Ausstellung
Ausstellung „Bauen für Afrika“ – FH Kärnten Standort Spittal, Villacher Straße 1
Ausstellungsdauer: 6. Mai bis 23. Juni 2015
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 08.00-19.00 Uhr

Foto: Ausstellungseröffnung „Bauen für Afrika“

Kontakt:
FH Kärnten – Studiengangsleitung Architektur
Arch. DI Dr. Peter Nigst
T:  +43 (0)5 90500-1119
E: p.nigst@fh-kaernten.at
Villacher Straße 1      
9800 Spittal an der Drau           

FILM:

http://www.kult1.tv/die-videosuche/kult-jugend/fh-kaernten-bauprojekt-afrika